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La Paloma Borracha
(Zur Beschwipsten Taube)
Das Restaurante liegt in einer ruhigen Straße im Puniner Viertel Sereno. Hier, wo die Weinhändler und Zuckerbäcker hausen, und sich eine Gaststätte an die andere zu reihen scheint, sind Rahja und Travia gleichermaßen beheimatet.
Das Gebäude betritt man durch die Mannpforte eines großen Holztores, in dessen Flügel links der Weinkelch und rechts die Gans geschnitzt sind. Der Innenhof wird im Norden vom Haupthaus, im Westen vom Stall und an den anderen Seiten von einer hellen Lehmmauer umgeben. Hier befinden sich neben den Abort ein Brunnen mit Pferdetränke, ein Taubenhaus, eine große Kochstelle, wo man auch einen ganzen Hammel braten kann, vier Tische mit jeweils sechs Stühlen für Gäste, die die Sonne genießen möchten. Ein Teil des Hofes ist vom überhängenden ersten Stockwerk des Wohnhauses überdacht, die Säulen, die dieses stützen sind mit Traubenranken bewachsen. Wenn hier die Früchte reifen und schließlich herunterfallen tun sich die nimmersatten Tauben an ihnen gütlich. Die gärenden Früchte sorgen dafür, dass die Tiere dann beschickert herumflattern und die seltsamsten Possen reißen. Daher hat das Gasthaus wohl seinen Namen, zu dem der Wirt auch ein Gericht kreiert hat. Durch eine reich mit Schnitzereien in Form von Weinreben verzierte Tür kommt man in den eigentliches Schankraum.
Die Ostwand wird beherrscht von einer langen Theke, auf der große Einmachgläser mit eingelegtem Gemüse stehen. Von hier aus regiert Jacopo Cavazaro sein kleines Reich. Der Mann um die fünfzig scheint ein freundlicher Mensch zu sein, dem die eigene gute Küche anzusehen ist. Seine Tochter Solivai und die junge Tulamidin Nezemeya bedienen die Gäste. Der Theke gegenüber stehen vier schwere Holztische mit je sechs Stühlen. Auf jedem Tisch steht ein vierarmiger Messingleuchter mit weißen Kerzen und ein Korb mit frischem Brot. Dahinter ist eine Parkettfläche auf der getanzt werden kann, wenn Musikanten kommen, um ihre Künste zum besten zu geben. In der südwestlichen Ecke erhebt sich ein mit Teppichen belegtes Holzpodest, das über zwei niedrige Stufen zu erreichen ist. Weiche Sitzkissen und niedrige Tische laden hier die Gäste ein, nach tulamidischem Brauch zu speisen. Einer der Teppiche ist gleichzeitig Spielfeld für das Kamelspiel, die Figuren kann man gegen einen kleinen Pfand beim Wirt bekommen, ebenso Wasserpfeifen und Tabak. Selbstverständlich werden die Teppiche nur ohne Schuhe betreten. An manchen Abenden sitzen hier Geschichtenerzähler, Wahrsager oder Musikanten, denn der Wirt legt Wert darauf, seine Gäste zu unterhalten und man sagt, wer hier seine Künste zeigt wird nicht hungrig und durstig gehen.
In der oberen Etage gibt es fünf Gästezimmer, drei Einzel- und zwei Doppelzimmer, in denen Reisende unterkommen können. Eines davon wird, wie drei der Boxen im Stall, für Boten freigehalten, die für dieses Vorrecht aber mit Nachrichten aus allen Teilen Aventuriens zahlen.
An Speisen und Getränken werden hier Spezialitäten aus Almada gereicht, wie zum Beispiel Yaquiertaler Madawein, Yaquierblume, Aquenauer Südhang, der stramme Muktur oder Mescher Heiligenmacher, Sona, Kürbisfalden, Taladura, Almadaner Huhn, Puniner Hornviehbraten, Hela-Klopse und Brig-Loner Trippen und die nur hier gereichte beschwipste Taube, deren Fleisch in einer Brühe aus strammen Muktur, Trauben oder Rosinen und gehackten Mandeln zart gegart wird und das bei Stammgästen den Ruf der besten Speise hier errungen hat.
Üblich ist es, mindesten drei Gänge zu bestellen, dazu passenden Wein. In Almada gilt man als arm oder geizig, wenn man weniger zu sich nimmt, dafür sind die Portionen nicht zu groß. Das Restaurante ist recht preiswert für seine Qualität, dem Wirt ist es Herzenssache, seine Gäste mit dem Besten zu versorgen gleichzeitig aber Travias Gebot zu achten sich nicht über Gebühr an ihnen zu bereichern.
Der Wirt erfüllt auch gerne besondere Essenswünsche, wenn der Gast denn bereit ist, zu warten bis die Köchin Radjal sie zubereitet hat, was je nach Wunsch über ein Stundenglas dauern kann wohingegen die Tagesgerichte schon vorbereitet sind. Seine Gäste verabschiedet er mit dem Traviakuß auf beide Wangen, wie es hier Brauch ist.
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